dramatische Gattung: Tragödie mit einer Handlung, die vom ungerechtfertigten Untergang ihres Helden geprägt ist und so die christliche Heilserwartung im Jenseits illustriert
Das Märtyrerdrama des 17. Jahrhunderts stellt insbesondere neben der heroischen Tragödie eine der wesentlichen Gattungen des barocken Trauerspiels dar. Es ist verwandt mit und bezogen auf ältere und gleichzeitige Kunstdramen, aber auch auf spezifisch christliche Ausprägungen frühneuzeitlicher Dramatik, etwa das lateinische Jesuitendrama oder ältere dramatische Gestaltungen von Märtyrerstoffen (die mitunter als Klasse der Märtyrerdramen zusammengaßt werden).
Die Orientierung des Kunstdramas an der imitatio veterum verlangt vom Märtyrerdrama des Barockzeitalters eine Orientierung an den drei dramatischen Einheiten von Ort, Zeit und Handlung ebenso wie am Modell der (fünfaktigen) geschlossenen Form, eine am genus grande ausgerichtete Sprache (in heroischen Alexandrinern) und die Konzentration auf Personen von hohem Stand und entsprechender Machtfülle.
Die dramatische Handlung ist im Unterschied zur heroischen Tragödie ganz vom Konflikt eines positiven, im Sinne zeitgenössischer christlicher Moralvorstellungen tugendhaften Helden mit einer tyrannischen Herrschergestalt gekennzeichnet. Dieser in mitunter blutigen Szenen und pathetischen Reden zur Darstellung kommende Konflikt führt zum ungerechtfertigten (und insofern nur bedingt tragischen) Untergang dieses Helden in der (tödlichen) Katastrophe, durch die er zum Märtyrer und damit Repräsentanten seiner Moral und seines Glaubens wird.
Somit stellt das Märtyrerdrama ganz ihrem Zeitalter, dem Barock mit seiner christlichen Heilserwartung und Tugendlehre entsprechend die Quintessenz dieses Weltbildes dar: Im nichtigen Diesseits der Welt mag der Held untergehen, im Jenseits warten auf ihn wie auf jeden wahren Christen Heil und Erlösung.
Das Märtyrerdrama des Barock steht ganz in der Tradition literarisch-rhetorischer Kunstfertigkeit und ist dementsprechend ein beliebtes Schuldrama des 17. Jahrhunderts, das eher in repräsentativen Schulaufführungen als an den Fürstenhöfen gegeben wurde.