Das Märtyrerdrama "Ermordete Majestät oder Carolus Stuardus König von Gross Britannien" (kurz: "Carolus Stuardus") von Andreas Gryphius, der zur sogenannten Schlesischen Dichterschule gehörte, die sich vor allem durch die Produktion barocker Trauerspiele auszeichnete, entstand etwa 1650, also direkt nachdem sich ihr (historischer) Stoff, die Hinrichtung des britischen Königs durch Cromwells Umsturz, ereignet hatte und bekannt werden konnte. (Insofern kann das Drama auch als Geschichtsdrama aufgefaßt werden).
Karls Schicksal und Untergang durch den Revolutionär Cromwell und die Seinen im englischen Bürgerkrieg wird vor allem in der zweiten, überarbeiteten Fassung von 1663 in der dramatisch-literarischen Bearbeitung des Stoffes durch Gryphius (etwa in der Figurenkonstellation) erkennbar auf den Leidensweg Christi (dem prototypischen christlichen Märtyrer) bezogen, so daß der säkulare Held, nicht zuletzt dank seiner durch die Cromwell-Partei kontrastierten Vortrefflichkeit, hier nicht nur das Schicksal Jesu imitiert, sondern auch auf die durch ihn repräsentierte Heilserwartung im Jenseits verweisen kann.