(griech.: tragodía = Tragödie, Trauerspiel)
Klasse (Familie von Klassen) der Dramatik: der Handlung angemessene dramatische Präsentation einer ernsten, tragischen Handlung, die beim Publikum entsprechende Affekte auslöst
Die Tragödie, die heute sicherlich weniger lebendig ist als die Komödie, aber auf eine ähnlich lange Tradition zurückblicken kann, die bis zu den Ursprüngen europäischer Dramatik in der griechischen Antike reicht, ist innerhalb dieser Tradition von vielfältigen Wandlungen und Veränderungen geprägt. Sie hat somit im Verlauf ihrer Geschichte verschiedene Formen und Gattungen ausgebildet wie etwa die (ursprüngliche) klassische attische Tragödie, die heroische Tragödie des Barock oder das Bürgerliche Trauerspiel der Aufklärung.
All die unterschiedlichen Ausprägungen der Tragödie zielen jedoch darauf ab, mit ihren dramatischen Handlungen und deren entsprechender Präsentation beim Publikum eine tragische Wirkung zu erzielen. Diese wird zwar zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich aufgefaßt, basiert aber immer auf der Erregung starker Affekte und Emotionen, die (eigenes und anderer) Wohl und Leid betreffen: Angst, Mitleid, Entsetzen usw.
Die Handlung der Tragödien neigt dementsprechend dazu, eher bedeutend, ernst und von öffentlicher oder gar politischer Relevanz zu sein (oder sich so zu geben) als klein, lächerlich und privat. Ihre Figuren sind zwar mitunter repräsentativ, aber eher als individuelle Charaktere denn als lächerliche Typen gestaltet. Sie sind eher bewunderungswürdige Heroen oder reiche Herren als deren Diener. Ihre Sprache ist entsprechend: eher ausgefeilt, ernst und komplex als einfach, derb und witzig. Von all diesen Tendenzen sind aber in einzelnen Komödien, Komödientypen und -gattungen Ausnahmen möglich.
So weicht etwa das barocke Märtyrerdrama, das in der Tradition der Tragödie steht, vom tragischen Wirkungsmodell signifikant ab. Das Bürgerliche Trauerspiel reduziert hingegen ganz bewußt die Öffentlichkeit der Konflikte und Figuren.
Was die Tragödien jedoch neben ihrer Wirkungsabsicht, vor allem aber um dieser Willen noch auszeichnet, ist der tragödientypische Ausgang ihrer dramatischen Handlung, auch wenn gerade jüngere Tragödien darauf kaum mehr festgelegt werden können bzw. die entsprechende Tradition der Tragödie im 19. und 20. Jahrhundert 'ausläuft'. Insofern steht die Tragödie, deren Handlung in der Katastrophe ein schlimmes und unerfreuliches Ende nimmt, so daß sie das Publikum ängstigen, rühren, schockieren und zu Mitleid anregen kann, der Komödie gegenüber. Die übliche deutsche Übersetzung von 'Tragödie' mit 'Trauerspiel' hat also durchaus auch der Sache bzw. Wirkung nach ihre Berechtigung.
Die Wirkungsabsicht der tragödienspezifischen Handlung mit schlimmem Ende wird dabei mitunter von dramenspezifischen Mitteln unterstützt: von Musik und Chören (etwa in tragischen Opern), von einer Sprache im genus grande und entsprechender Deklamation usw.