Epik / episches Gedicht / erzählende Literatur Klasse oder Gruppe von Klassen von Texten, die dadurch gekennzeichnet sind, daß eine Handlung oder ein Geschehen durch eine vermittelnde Instanz (den Erzähler) verbal dargestellt wird
Epik / das Epische Grundbegriff/Naturform: vermittelte Präsentation (Erzählung) von Handlungen oder Geschehnissen
episch Adjektiv zu 'Epik' in einem der beiden Sinne
Epik mögliche Bezeichnung für die Klasse der Epen
Der Begriff der Epik ist weniger problematisch im Hinblick auf die fundamentalpoetische Einteilung der Dichtung nach der Gattungstrias und die zugehörigen Grundbegriffe als etwa der der Lyrik. Denn sowohl die literaturwissenschaftliche Auffassung von Epik als Sammelbegriff für erzählende Literatur als auch die fundamentalpoetische Fundierung stimmen mit der poetologischen Tradition im Grunde darin überein, daß die in ihrer Mittelbarkeit spezifische, durch einen Erzähler (oder verwandte Darstellungsverfahren) vermittelte Darstellung von Handlungen oder Geschehnissen für erzählende Texte kennzeichnend sind.
Daran anschließende Festlegungen der Inhalte von erzählender Literatur (etwa auf Abbildungen eines repräsenativen Ausschnitts der Wirklichkeit), ihres Umfangs (etwa auf umfangreiche und komplexe Handlungszusammenhänge) oder ihrer Verwandtschaft mit dem ursprünglichen, namengebenden Epos bleiben hingegen problematisch.
Einzig die Vermitteltheit der Darstellung (durch einen Erzähler) charakterisiert Epos und erzählende Literatur insgesamt. Insofern ist erzählende Literatur jeder Form des (etwa alltäglichen) Erzählens verwandt. Mit ihr gemein hat sie die zentrale Bedeutung der Erzähl- bzw. Vermittlungsinstanz, die letztlich für alles verantwortlich zu machen ist, was die Auswahl des Erzählten und die Art und Weise des Erzählens betrifft. Im Unterschied zu alltäglichen Erzählsituationen ist die vermittelnde Instanz der erzählenden Literatur aber keine reale Person, sondern eine Instanz oder Funktion des (fiktionalen) Erzähltextes. Aus der zentralen Bedeutung des Vermittlers oder Erzählers rührt auch die enorme Flexibilität von erzählender Literatur, die in keiner Weise auf bestimmte Themen, Inhalte, Umfänge usw. festzulegen ist.
Durch die Kommunikationssituation des (vermittelten) Erzählens ist erzählende Literatur tendenziell darauf ausgerichtet, Handlungen und Geschehnisse von einer gewissen Bedeutung in einer erkennbaren Chronologie (der Ereignisse) zu präsentieren. Davon wird jedoch zumindest in der Erzähliteratur der letzten Jahrhunderte mindestens ebenso häufig abgewichen wie diesen Tendenzen entsprochen wird.