Goethes Roman "Die Wahlverwandtschaften" von 1809 setzt erkennbar als Er-Erzählung ein: Der Erzähler gibt sich zwar in dem einleitenden "wir" ansatzweise als Instanz des Textes zu erkennen, konzentriert sich aber hier und im folgenden ganz auf das Wahlverwandtschaftsgeschehen, über das er – wenngleich unbeteiligt –, ebenso wie über die beteiligten Personen bestens Bescheid weiß:

Eduard – so nennen wir einen reichen Baron im besten Mannesalter – Eduard hatte in seiner Baumschule die schönste Stunde eines Aprilnachmittags zugebracht, um frisch erhaltene Pfropfreiser auf junge Stämme zu bringen.
Sein Geschäft war eben vollendet; er legte die Gerätschaften in das Futteral zusammen und betrachtete seine Arbeit mit Vergnügen, als der Gärtner hinzutrat und sich an dem teilnehmenden Fleiße des Herrn ergetzte.
"Hast du meine Frau nicht gesehen?" fragte Eduard, indem er sich weiterzugehen anschickte.
"Drüben in den neuen Anlagen", versetzte der Gärtner.