Der Ich-Erzähler des zweiten Typs eignet sich insbesondere zur (an die Autobiographie angelehnten) Erzählung des eigenen Lebens gegen dessen Ende. Von hier aus erst kann man manche Entwicklungen des eigenen Lebens beurteilen, kann Fehler eingestehen, ja man kann sich von sich selbst (bzw. einem 'früheren Ich') leicht distanzieren.

Grimmelshausens Schelmenroman "Der Abenteuerliche Simplicissimus Teutsch" aus dem Jahr 1669 geht genau so vor, auch wenn der Ich-Erzähler – schon um der Spannung willen – nicht immer mit seinem nun vorhandenen Wissen prahlt. Mitunter läßt er es aber doch erkennen – oft um sich selbst und seine (frühere) Einfalt oder "bäurische Grobheit" bloßzustellen, so etwa im 9. Kapitel des ersten Buchs, wo der Waisenknabe auf einen Einsiedler im Wald stößt:

Ich fing an zu essen und hörete auf zu papplen, welches nicht länger währete, als bis ich nach Notdurft gefuttert hatte, und mich der Alte fortgehen hieß: Da suchte ich die allerzartesten Worte hervor, die mir mein bäurische Grobheit immermehr eingeben konnte, welche alle dahin gingen, den Einsiedel zu bewegen, daß er mich bei sich behielte: Ob es ihm nun zwar beschwerlich gefallen, meine verdrießliche Gegenwart zu gedulden, so hat er jedoch beschlossen, mich bei sich zu leiden, mehr, daß er mich in der christlichen Religion unterrichtete, als sich in seinem vorhandenen Alter meiner Dienste zu bedienen, seine größte Sorg war, mein zarte Jugend dürfte eine solche harte Art zu leben in die Länge nit ausharren mögen.