Da der Begriff der Innensicht auf den Annahmen der Existenz, der Erkennbarkeit und der Darstellbarkeit von (Fremd-)Psychischem beruht, findet sich überall dort in der Literatur, wo man diese Annahmen nicht teilt, auffallend strikte Außensicht.

Das antike Epos etwa kennt im Grunde kein Psychisches, das verborgen in einem 'Inneren' wäre: Alles ist aussprechbar und kann so als Außensicht-Dialog oder gar als Gespräch mit einer Gottheit – wie hier im ersten Gesang der Homerischen "Ilias" – dargestellt werden. Achill ist ernsthaft 'sauer' auf Agamemnon, von dem er sich übervorteilt fühlt, und er sinnt auf Rache, wird aber von der Göttin Athene vorerst besänftigt:

Als er solches erwog in des Herzens Geist und Empfindung,
Und er das große Schwert schon hervorzog; naht' ihm vom Himmel
Pallas Athen', entsandt von der lilienarmigen Here,
Die für beide zugleich in liebender Seele besorgt war.
Hinter ihn trat sie, und faßte das bräunliche Haar des Peleiden,
Ihm allein sich enthüllend; der anderen schaute sie keiner.
Staunend zuckte der Held und wandte sich: plötzlich erkannt' er
Pallas Athenens Gestalt, und fürchterlich strahlt' ihm ihr Auge.
Und er begann zu jener, und sprach die geflügelten Worte:
Warum, o Tochter Zeus des Ägiserschütterers, kamst du?
Etwa den Frevel zu schaun von Atreus Sohn Agamemnon?
Aber ich sage dir an, und das wird wahrlich vollendet:
Sein unbändiger Stolz wird einst noch das Leben ihm kosten!
Drauf antwortete Zeus blauäugige Tochter Athene:
Deinen Zorn zu stillen, gehorchtest du, kam ich vom Himmel;
Denn mich sendete Here, die lilienarmige Göttin,
Die für beide zugleich in liebender Seele besorgt ist.