Ein strikt interner point of view erlaubt nur die Erzählung von Gedanken, Wahrnehmungen und Wissen, die der gerade fokussierten Figur zuzusprechen sind – im Fall des Er-Erzählers allerdings so, daß durch diese Erzählform die erlebende Figur und der Erzähler grammatisch getrennt bleiben. Vor allem aber versucht der Erzähler, sich so auf das Erzählte zu beziehen, wie man es auch von dieser annehmen würde. Gerhart Hauptmanns Er-Erzähler in "Der Apostel" (1890) etwa verfolgt den Weg seiner Titelfigur durch und aus Zürich und gibt nur wieder, was diese auf dem Weg wahrnimmt, fühlt und denkt:

Auf der Straße war noch niemand. Einsamer Sonnenschein lag darauf. Hie und da der lange, ein wenig schräge Schatten eines Hauses. Er bog in ein Seitengäßchen, das bergan stieg, und klomm bald zwischen Wiesen und Obstgärten hin aufwärts.
Bisweilen ein hochgiebliges altväterliches Häuschen, ein enges, mit Blumen vollgepfropftes Hausgärtchen, dann wieder eine Wiese oder ein Weinberg. Der Ruch des weißen Jasmins, des blauen Flieders und des dunkelbrennenden Goldlacks erfüllte stellenweise die reine und starke Luft, daß er sie wohlig in sich sog, wie einen gewürzten Wein.
Er fühlte sich freier nach jedem Schritt.
Wie wenn ein Dorn aus seinem Herzen sich löste, war ihm zu Sinn, als es ihm das Auge so still und unwiderstehlich nach außen zog. Das Dunkel in ihm ward aufgesogen von all dem Licht. Das Köpfchen des gelben Löwenzahns, gleich unzähligen kleinen Sonnen in das sprießende Grün des Wegrandes gelegt, blendeten ihn fast.
[...]
Lange ließ er das verzückte Auge umherschwelgen: – über alles hin, zu der Spitze des jenseitigen Berges, dessen schründige Hänge zartes, wohliges Grün umzog; – hinunter, wo die veilchenfarbne Fläche des Sees den Talgrund ausfüllte.

Hier wird zwar durch personales Erzählen und internen point of view der Standpunkt des Erzählers bewußt auf den der Figur bezogen. Zu einer stärkeren Anpassung der Art und Weise der Bezugnahme von Erzähler und Figur kommt es aber insbesondere dann, wenn der Erzähler in den Darbietungsmodus der erlebten Rede wechselt, wenn er – wie hier, obgleich nur ganz kurz – etwa die Gedanken der Figur unmittelbar wiedergibt:

Er stand still, wieder schauend. Nun war es die Stadt unten, die ihn anzog und abstieß. Wie ein grauer, widerlicher Schorf erschien sie ihm, wie ein Grind, der weiterfressen würde, in dies Paradies hineingeimpft: Steinhaufen an Steinhaufen, spärliches Grün dazwischen. Er begriff, daß der Mensch das allergefährlichste Ungeziefer sei. Jawohl, das stand außer Zweifel: Städte waren nicht besser als Beulen, Auswüchse der Kultur.