Gerhart Hauptmann setzt in seiner Erzählung "Der Apostel" (1890) einen Er-Erzähler mit strikt internem point of view ein. Durchaus typisch ist nun auch, daß er innerhalb dieses personalen Erzählverhaltens immer wieder Passagen einbaut, die darauf abzielen, die Gedanken der Titelfigur möglichst direkt wiederzugeben und zwar in der Weise, wie sie die Figur wohl denken dürfte. Der Erzähler bleibt aber auch in diesen Abschnitten, die sich kaum merklich aus dem Erzählerbericht heraus entwickeln, immer präsent und erkennbar am Präteritum und dem "er", mit dem er sich auf die Figur bezieht:
Er haßte diese Bahnen mit ihrem ewigen Gerüttel, Gestampf und Gepolter, mit ihren jagenden Bildern; er haßte sie und mit ihnen die meisten anderen der sogenannten Errungenschaften dieser sogenannten Kultur.
Durch den Gotthard allein ... es war wirklich eine Tortur, durch den Gotthard zu fahren: dazusitzen, beim Scheine eines zuckenden Lämpchens, mit dem Bewußtsein, diese ungeheure Steinmasse über sich zu haben. Dazu dieses markdurchschütternde Konzert von Geräuschen im Ohr. Es war eine Tortur, es war zum Verrücktwerden! In einen Zustand war er hineingeraten, in eine Angst, kaum zu glauben. Wenn das nahe Rauschen so zurücksank und dann wieder daherkam, daherfuhr wie die ganze Hölle und so tosend wurde, daß es alles in einem förmlich zerschlug ... Nie und nimmer würde er nochmals durch den Gotthard fahren!
Hier ist durch das für die direkte Wiedergabe von Bewußtseinsgehalten an sich unpassende Präteritum und durch das "er" die Trennung von Erzähler und Figur immer noch deutlich markiert.
In der folgenden Textpassage fällt das erste Unterscheidungskriterium allerdings weg, da hier bereits der eigentliche Erzählerbericht im Präsens steht. Aber in der kleinen Novelle "Sommertod" von Johannes Schlaf von 1895 geht ohnehin ständig gewöhnlicher Erzählerbericht in erlebte Rede über und umgekehrt, beide sind kaum zu unterscheiden. Wenn überhaupt, dann kann man hier die Abschnitte in erlebter Rede nur dadurch erkennen, daß sie in Syntax und Tempo eher einem 'echten' Gedankengang entsprechen als der sie umgebende Erzählerbericht:
Es ist Abend. Müde von langer Wanderung sitzt er in seinem Zimmer und sieht in die Dämmerung. Ein Wind hat sich aufgemacht und rauscht im Kamin.
Er fühlt ein Vermissen. Richtig! So ist es immer. Ein Verlangen, Vermissen.
Eine Cigarre. Nein! Das ist es nicht. Trotzdem raucht er weiter, stöhnt, nimmt ein Buch und setzt sich zum Fenster.
Eine Seite. Noch eine. Nein: er begreift nicht, was er liest. Ein Fiebern ist in ihm, eine Unruhe!