Erzählzeit – reale Zeitspanne: Dauer der Lektüre eines Erzähltextes

erzählte Zeit – fiktive Zeitspanne: Dauer des erzählten Geschehens eines Erzähltextes

Die beiden Begriffe der Erzählzeit und der erzählten Zeit beziehen sich zwar jeweils auf Zeitspannen, allerdings auf sehr unterschiedliche: Denn während die Erzählzeit die etwa zu veranschlagende reale Lektürezeit eines Erzähltextes mißt, schätzt die erzählte Zeit diejenige Zeitspanne ab, die man einem fiktiven Geschehen zuweist, dem erzählten Geschehen eines Erzähltextes.

Die beiden Begriffe sind insbesondere dann für die literaturwissenschaftliche Erzähltextanalyse von Bedeutung, wenn sie miteinander in Beziehung gesetzt werden: Das Erzähltempo, also das Verhältnis von Erzählzeit zu erzählter Zeit, kann so von ganzen Texten ermittelt werden, aber auch von bestimmten Textpassagen, die sich darin womöglich gerade unterscheiden.

Erzählzeit und erzählte Zeit können sich dabei (annähernd) decken.

Die Erzählzeit kann aber auch – etwa durch die Digressionen eines auktorialen Erzählers oder durch ein äußerst detailreiches Erzählen – ausgedehnt werden und die erzählte Zeit übertreffen.

Umgekehrt kann die Erzählzeit aber auch – etwa durch Überspringen ganzer Zeiträume oder durch Zusammenfassung sich wiederholender Vorgänge – gerafft werden, so daß die erzählte Zeit die Erzählzeit bei weitem überflügelt.

Das Tempo von Erzähltexten kann in diesem Sinne bedeutend variieren.

Beispiel