Das wohl wirkungsmächtigste Vorbild des europäischen Briefromans stellt Samuel Richardsons "Pamela, or, Virtue Rewarded" (1740) dar, ein strikt monoperspektivischer Briefroman, der aus der Sicht Pamelas von der (scheiternden) Verführung des Dienstmädchens Pamela durch ihren Arbeitgeber, Mr. B., 'erzählt'. Ihre Tugendhaftigkeit, die sie nicht zuletzt in ihren Briefen demonstriert, wird schließlich belohnt durch die Heirat des nunmehr echt liebenden Mr. B.
Einen ähnlich gelagerten plot hat Richardsons "Clarissa, or, The History of a Young Lady", allerdings mit tödlichem Ausgang für die Titelheldin und den Verführer. Die sehr viel komplexeren Beziehungen und Gefühle der beteiligten Personen kommen zudem polyperspektivisch zum Ausdruck, in den Briefen von über zwanzig Briefschreibern.
Der bedeutendste (monoperspektivische) Briefroman wohl nicht nur der deutschen Literaturgeschichte ist aber sicherlich Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" (1774). Dem weiter fortgeschrittenen 18. Jahrhundert entsprechend steht hier nicht mehr das Verhältnis von Gefühl und Moral im Vordergrund, sondern das Gefühl der Liebe alleine. Da die unerfüllbare Liebe Werthers zum Tod durch eigene Hand führt, ist Goethe gezwungen, von der ausschließlichen Wiedergabe von Briefen Werthers abzusehen und am Ende einen Erzähler (bzw. fiktiven Herausgeber) einzuschalten. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht gleichwohl weniger das zum Tode führende Geschehen als die radikal subjektive und sich so von allem (gesellschaftlichen) Maß entfernende Selbstaussprache der schwärmerisch liebenden Hauptfigur.