als Sammel- oder Oberbegriff weitgehend mit 'erzählende Literatur' identisch
als Klassifikationsbegriff: kaum positiv zu bestimmende Gruppe oder Familie erzählender Texte mittlerer Länge
'Erzählung' kann natürlich alle die Literatur genannt werden, die im Sinne von epischer oder erzählender Literatur ein Geschehen durch eine Erzählinstanz vermittelt darstellt.
Der Begriff hat sich jedoch auch eingebürgert für eine Vielzahl von solchen Erzähltexten, die nicht einer anderen, leichter positiv bestimmbaren Klassifikation erzählender Literatur zuzuordnen sind.
So gilt die Erzählung im allgemeinen als deutlich kürzer und weniger komplex als der Roman (was auch Auswirkungen auf die Möglichkeit einer Einzeltextveröffentlichung hat), aber als umfangreicher als Kurzformen wie etwa die Skizze. Die Erzählung ist auf der anderen Seite weniger straff organisiert als die Novelle, der sie im üblichen Umfang ähnlich ist. Besonders problematisch ist die Abgrenzung von der short story oder Kurzgeschichte, die freilich im allgemeinen einen pointierten Schluß aufweist, was der Erzählung fehlt.
Somit bleibt als Bestimmung der Erzählung ein abgeschlossener erzählender Text mittlerer Länge, der nicht einer anderen Klasse oder Gattung erzählender Literatur angehört.
Nicht nur, weil eindeutige Gattungszuordnungen vor dem 19. Jahrhundert fast verpflichtend sind, gibt es Erzählungen bzw. Texte, die als "Erzählungen" tituliert sind, vor allem im 19. und 20. Jahrhundert.