(lat.: fabula = Erzählung)
Gattung der Lehrdichtung und Erzählliteratur: Erzählung eines Geschehens mit nicht-menschlichen Akteuren, die aber typische menschliche Eigenschaften aufweisen, zum Zweck der Vermittlung einer (implizit oder explizit formulierten) Lehre
Der Ursprung der Fabel liegt in der Antike, wo auch ihre typischen Gestaltungs- und Funktionsmerkmale ausgebildet worden sind. Verwendung fand diese Gattung freilich auch im Mittelalter und in der Neuzeit.
Die Fabel verbindet ein spielerisches und unterhaltendes Moment (delectare) mit einem belehrenden (prodesse, docere). Das spielerische besteht darin, daß die Geschichte, die erzählt wird, ihre Fingiertheit offenlegt, da sie sich ausschließlich auf nicht-menschliche Akteure beschränkt, zumeist Tiere.
Diese werden jedoch anthropomorphisiert, also mit typischen (und fest mit bestimmten Tieren verbundenen) signifikanten menschlichen Eigenschaften ausgestattet und in oft auf Oppositionen basierenden Handlungszusammenhängen als Akteure miteinander verknüpft. Dieses modellhafte Geschehen ist wiederum im Prinzip per Allegorese leicht auf menschliches Verhalten zurückzubeziehen und ergibt so eine bestimmte, zumeist moralische oder moralisierende 'Lehre': "fabula docet". Die(se) 'Moral von der Geschicht' wird oft voran- oder nachgestellt sogar explizit vorgebracht.
Die Fabel ist somit der Parabel, der Allegorie und anderen uneigentlichen Redeweisen eng verwandt.