In der Moderne vorherrschende Klasse (oder Gattung) erzählender Literatur: umfassende Erzählung in Prosa, die in der Lage ist, die komplexe Fülle der Lebenserfahrungen und Diskurse einer Zeit darzustellen

Der Ausdruck Roman geht auf die im 12. Jahrhundert im Altfranzösischen verwendete Bezeichnung romanz für in der lingua romana (Volkssprache, statt Gelehrtensprache) verfaßte Texte zurück. Seit der Neuzeit ist das deutsche Wort Roman zur Bezeichnung von großen Prosaerzählungen etabliert und kann somit auch auf die Prosaromane der Antike bezogen werden. Die Prosaform impliziert dabei aber noch eine gleichzeitige Abwertung gegenüber dem Epos (in Versform). Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts wird der Roman als Medium der Unterhaltung und Unterweisung – und schließlich auch als Kunstform anerkannt.

Heute gilt der Roman als moderne Dichtungsart par excellence. Und obwohl oder gerade weil der Roman die vorherrschende und am weitesten verbreitete Literaturform ist, bleibt seine Definition problematisch.

Als Großform der (überwiegend) fiktionalen Erzählung in Prosa läßt sich der Roman zwar einerseits

abgrenzen. Andererseits aber kann der Roman als Großform des Erzählens diese wie die meisten anderen Gattungen, Schreibweisen oder Textsorten integrieren.

Den Roman kennzeichnet in der Tendenz ein Weltmodell, das die Komplexität und Fülle der Lebenserfahrungen und Diskurse einer Zeit abbilden und/oder in sich aufnehmen kann. Als (epische) Erzählung größeren Umfangs ist der Roman zudem in der Lage sehr unterschiedliche räumliche und zeitliche Ausdehnungen auf der Ebene des Geschehens zu gestalten. Somit ist der Roman gerade durch das Fehlen starrer poetologischer Vorgaben gegenüber sich wandelnden Wirklichkeitserfahrungen und -verhältnissen äußerst anpassungsfähig.

Diese Flexibilität und die daraus resultierende Experimentierfreude vieler Autoren bewirken so gleichermaßen vielfältige Form- wie (sich überschneidende) Gliederungsmöglichkeiten, etwa nach (1) Stoffen, Personal oder Geschehen (z.B. Abenteuer-, Kriminal-, Großstadtroman), (2) Themen oder Problemen (z.B. Liebes-, Gesellschaftsroman), (3) Darstellungsstrategien (etwa Dialog- Tagebuch- oder Briefroman), (4) Erzählstrategien, (5) Wirkungsabsichten (etwa komischer, satirischer, politischer Roman), (6) Wertungen (z.B. Trivialroman, Experimentalroman) u.a.m. Entsprechend viele historische Form- und Gattungsausprägungen des Romans gibt es, etwa die hier näher erläuterten Bildungsroman, Schelmenroman und höfisch-historischer Roman.